Entstehung des Ordens
Von Elija, einem Propheten im Alten Testament, ist eine intensive Gotteserfahrung überliefert: „GOTT LEBT; UND ICH STEHE VOR SEINEM ANGESICHT“. Mit großem Eifer verteidigte er den Glauben an den lebendigen Gott. Doch er musste lernen, dass „Gott nicht im Sturm, im Feuer und im Erdbeben war, sondern in einem leisen, sanften Säuseln“ (1 Kön. 19,11-13).
Im 12. Jahrhundert ließen sich abendländische Einsiedler, die mit den Kreuzfahrern gekommen waren, im Karmelgebirge nieder. Sie wollten, wie Elija, Gott suchen. Eine Gruppe von ihnen schloss sich zu einer losen Gemeinschaft zusammen. Sie nannten sich „Brüder der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel“ und erbaten vom Patriarchen Albert von Jerusalem (1206-1214) eine Lebensordnung.
Die wichtigste Anweisung gilt dem beständigen Gebet. „Jeder soll Tag und Nacht im Gesetz des Herrn meditieren (Ps 1,2) und im Gebet wachen“ (1 Petr 4,7). Diese „Ursprüngliche Regel“ gilt noch heute als Grundgesetz des Karmeliterordens. Sie nannten sich die „Brüder der Seligsten Jungfrau vom Berge Karmel“. Damit stellten sie sich in der Nachfolge Jesu unter den besonderen Schutz Mariens, seiner Mutter.
Seitdem lebt die Spiritualität des Karmel im großen Spannungsbogen zwischen Elija, dem großen, kompromisslosen Propheten, und Maria, der Mutter Jesu, die im Hören auf Gottes Wort den Glauben lernen und ihren Weg gehen musste.